Einmotorige Cessna Caravan der LTA
Nach langem Warten erschien dann doch noch eine Propellermaschine am Horizont und setzte zur Landung an. Es war die Einmotorige
Cessna Caravan der
LTA, die uns alle nach Canaima bringen sollte. Doch der Pilot hatte ein Problem. Ein Flugzeug war ihnen ausgefallen und er war eigentlich bereits voll. Außerdem hatte er nicht mehr viel Treibstoff. Somit konnte er maximal noch vier Personen mitnehmen. Mehr ginge nicht.
Freko wägte die Lage ab und entschied, das wir beide und ein anderes Pärchen mitfliegen sollte. Wir waren die vier, die von Canaima aus die Expedition Angel Fall gebucht hatten. Alle anderen flogen von Canaima aus direkt zu ihrem Badehotel. Wir verabschiedeten uns schnell von allen, nahmen die Rucksäcke und stiegen ein. Freko meinte, sie würden mit der nächsten Maschine nach kommen.
Der Flug ging nun über unendlichen Dschungel, der von kleinen Flüssen durchzogen wurde. So einen Ausblick hatten wir bisher nur in Naturfilmen gesehen und stellten uns vor, wie toll es sein musste, dort unten durch den Dschungel auf einem Fluss die Gegend zu erkunden. Da wussten wir noch nicht, was nun alles passieren würde.
Plötzlich schrillte ein Warnsignal. Der Pilot schaltete etwas über Kopf um und das Signal verschwand. Susanne fragte mich, ob ich wüsste was das war. Ja, ich wusste es. Der eine Tank in der Tragfläche war leer und er pumpte nun Treibstoff zwischen den Tanks um. Nicht sehr gut. Wir waren eigentlich auf Reserve.
Vorbeiflug am Angel Fall
Nun kamen wir am Angel Fall vorbei. Der Pilot ging tiefer und drehte mehrere Runden, damit alle das Naturschauspiel von einem !000 Meter hohem Wasserfall, dem höchsten der Welt gut sehen konnten.
Zwischendurch ertönte wieder das Warnsignal. Viel Sprit hatten wir scheinbar wirklich nicht mehr. Er schaltete auf seine Reserve um und schaltete die Sirene ab.
Bald schon flogen wir auf
Canaima, eigentlich nur ein kleines Dorf mitten im Dschungel mit einer Landepiste ohne Tower an. Wenige 100 Meter vor dem Aufsetzen bemerkte der Pilot einen kleinen Punkt auf der Landebahn, der immer grösser wurde. Schnell hab er ohne Rücksicht auf den restlichen Sprit Vollgas und zog die Maschine wieder so schnell es ging hoch. Wir konnten sehr gut sehen, wie wir über die startende Maschine hinweg flogen. Somit flogen wir noch eine Runde um das Dorf und flogen erneut an. Dieses mal war auch die Landebahn frei und wir waren endlich gesund und sicher in Canaima angekommen.
Fliegen auf Sicht war in Venezuela eben ein wenig anders als in Deutschland. Die nahmen die Internationalen Regeln nicht so genau und legten sie großzügig aus.
Die Wasserfälle bei Canaima
Wir wurden zu einem Sammelpunkt gebracht, wo wir erst mal die Rucksäcke an einem Restaurant einlagern konnten. Tatsächlich erschienen auch bald einige andere aus unserer Reisegruppe. Freko hatte es geschafft, sie in einer anderen Maschine unter zu bringen. Er selbst war dort geblieben bei dem Rest und auch unser deutschsprachiger Reiseleiter für morgen war nicht vor Ort angekommen. Wir fragten uns durch und wurden einem großen Einbaum mit Motor zugewiesen. Mit dem ging es nun zwischen den verschiedenen Wasserfällen in der Lagune von Canaima auf Besichtigungstour. In der Nähe vom
Salto Sappo stiegen wir aus. Von hier ab ging es zu Fuß durch den Dschungel und nach einer Weile erreichten wir den Wasserfall.
Der Englisch sprachige Guide meinte, wir würden nun zusammen den Wasserfall zu Fuß unterqueren. Also ließen wir alles, was nicht nass werden sollte, am Weg stehen und übergaben unsere Kameras dem Guide. Er wollte nachkommen und sie uns sicher auf die andere Seite bringen. Wir mussten eine Kette Bilden und uns alle an den Händen fassen. Dann ging es unter dem Wasserfall her. Es war der Wahnsinn. Die Sicht war zum Teil vor lauter tosendem Wasser und Gischt gleich Null und an einigen Stellen blieb einem die Luft weg, weil man direkt unter dem stürzenden Wasser stand.
Unterquerung des Salto Sappo
Zum Glück hatte man aber ein Drahtseil gespannt, das die Grenze zum Wasserfall markierte. Aber warum man es in 30 cm Höhe gespannt hatte, blieb uns ein Rätzel. Ein sicheres Geländer war anders. Venezuela eben. Mit Sicherheitsdenken hatten sie es nicht so. Wir erreichten aber Hand in Hand das andere Ende, wo wir dann schwimmen gehen konnten. Hier gab es ein ruhiges, natürliches Becken. Das taten wir auch, da ja alle inzwischen bis auf die Unterwäsche nass waren.
Leider rutschte dabei Susanne am Ufer aus und stürzte aufs Knie. Das war sehr schmerzhaft, weshalb sie danach schlecht laufen konnte. Das war leider erst der Anfang eine Pechsträhne mit ihrem Knie. Aber noch war alles soweit gut.
Tatsächlich erschien auch der Guide und brachte alle Fotoapparate mit. Er hatte es geschafft, sie trocken durch den Wasserfall zu bringen. Danach ging es zurück. Wieder unter dem Wasserfall durch. Anschliessend wanderten wir zurück nach Canaima durch den Dschungel. In dem Restaurant gab es dann für alle ein gutes und deftiges Mittagessen mit Reis und Bohnen und Hühnerfleisch, wie immer.