Mit einem Einbaum auf dem Rio Carrao.
Am Nachmittag wurden wir vier dann einer internationalen Gruppe zugeteilt, da immer noch kein deutschsprachiger Reiseleiter aufgetaucht war. Die Gruppe bestand zum Großteil aus Niederländern und Engländern. Nun musste jeder seinen Rucksack in einen Müllsack verpacken und auf einen Einbaum laden. Als wir dann alle einstiegen, stellten wir fest, das der Einbaum immer tiefer einsank. Als dann alle saßen, war der Bootsrand nur noch einen Zentimeter über dem Wasser. Durch eine Bewegung eines Passagiers schwappte dann Wasser von Links in das Boot. Vor Schreck lehnten sich alle nach rechts, mit dem Erfolg, dass nun das Wasser von rechts in das Boot lief.
Der Indio am Motor sah das locker und startete den Motor. Dann gab er Vollgas. Das Boot hob sich bis zur Hälfte aus dem Wasser und stabilisierte sich dadurch. Die wilde Fahrt auf dem Rio Carrao ging durch unberührten Dschungel, und bei Tieren am Ufer drosselte er den Motor. Einer der Niederländer beschloss dabei, sich hinzustellen, um besser Fotografieren zu können. Durch das Gewackel schwappte das Wasser natürlich wieder in das Boot. Alle schrien ihn an, sich wieder zu setzen. Dann gab der Bootsführer wieder Gas und entschärfte die Situation.
An einer Stelle wurde der Fluss dann zu flach und wir mussten die Stelle umgehen. Ohne Passagiere reichte es aber für das Boot und wir stiegen danach wieder ein. Irgend wann bei einbrechender Dunkelheit legten wir am Ufer an. Dabei rutschte die unbefestigte Sitzbank etwas zur Seite und Susanne stürzte erneut auf das schon angeschlagene Knie (Zuhause wurde dann ein angerissener Meniskus diagnostiziert, der Operiert werden musste).
Das Ahonda Camp
Jeder musste nun einen Müllsack mit Gepäck mitnehmen, ohne den eigenen zu suchen. Dann gingen wir zum
Ahonda Camp und legten dort alle Müllsäcke auf einen Haufen. Das
Ahonda Camp bestand eigentlich nur aus einem Wellblechdach, mit darunter aufgespannten Hängematten. Etwas Licht gab es nur zum Abendessen an den Tischen, wozu dann ein Generator angeworfen werden musste. In den Toiletten hatte man aber keine Glühbirne eingebaut. Schade, denn mit der Stirnlampe gab es viele Insekten zu bewundern.
Es gab erstmal ein einfaches Abendessen und danach sollten wir alle die Mülltüten auspacken und unsere Rucksäcke raussuchen. Wir vier suchten und suchten, doch am Ende standen wir allein auf der Wiese. Unsere waren nicht dabei. Wir meldeten das sofort bei der Campleitung und mussten beschreiben, wie sie genau aussahen. Da wir schon am Ende waren (Kein Gepäck, kein Reiseleiter) gab man uns vier der acht vorhandenen Felddoppelbetten in einem separatem Raum.
Abends wurde es dann spaßig. Jede Gruppe erhielt eine Flasche braunen Rum und einer spielte Gitarre. Alle sangen zusammen und eine Gruppe Litauer tanzte auf dem Tisch, wobei einer nur seine Unterhose Marke Gelsenkirchener Feinripp mit Eingriff trug. Es war ein tolles Fest und als wir vier unsere Flasche leer hatten fragten wir die Letten, ob sie ihren Rum nicht mochten, denn sie hatten noch immer eine halbe Flasche auf dem Tisch.
Nachts im Ahonda Camp
Doch sie entgegneten uns, dass dieses bereits ihre dritte Flasche sei. So kauften wir uns auch noch eine neue und feierten mit ihnen im Schein der Petroleumlampen weiter, bis irgendwann alle die Müdigkeit ins Bett zwang.
Am Ende des Abends vielen wir wie tot in unsere Feldbetten. Doch um zwei Uhr morgens wurden wir von den Indios geweckt. Sie waren tatsächlich in der Dunkelheit nach Canaima zurück gefahren und hatten unsere Rucksäcke dort gefunden und mitgebracht. Da war eben was bei der Organisation dort schief gelaufen. Wir bedankten uns 1000 mal dafür, das sie das gemacht hatten. Doch scheinbar war das für sie normal. Nun waren wir glücklich, denn unsere kleine Welt war wieder in Ordnung.
Ich hatte das obere Feldbett, was nicht so gut war, denn irgendwann drehte ich mich um und landete unsanft auf dem Boden. Egal, da ich meine Bettdecke noch bei mir hatte, schlief ich auf dem Boden weiter. Morgens stellte ich dann fest, das sich eine dicke
Aga-Kröte in der Nacht an mich gekuschelt hatte. Na hoffentlich hatte sie so gut geschlafen wie ich, denn ich war wieder Fit und der Rausch von Gestern war vorüber.
Am Fuß des Angel Falls
8.Tag (Di) Direkt nach dem Frühstück und einem starken Kaffee ging es wieder in das Boot, aber Susanne wollte nicht mit, da sie so schlecht mit ihrem Knie laufen konnte. Aber der Reiseleiter entschied, dass er für sie eine Hängematte mitnehmen würde und sie ja an dem Ort, wo es später Essen gab, bei den Indios bleiben könne. Bis da hin wäre es für sie zu schaffen. Sie willigte ein und so stiegen wir in das Boot.
Während der Fahrt entlang des Rio Carro und des
Río Churún bis zur Teufelsschlucht (Churún Canyon) erlebten wir die urwüchsiges Flora dieses Gebiets.
Direkt am Fuß des Angel Falls lag unsere Anlegestelle. Wir mussten auf einem Pfad eine kleine Wanderung einlegen, dann war der Platz erreicht. Hier wollten die Indios unser Essen vorbereiten. Es gab eine Feuerstelle und Sitzgelegenheiten. Wir hingen Susannes Hängematte an einer schattigen Stelle zwischen den Bäumen auf und ich verkündete, dass ich natürlich nicht weiter mit wandern würde, sondern bei meiner Frau bleiben würde. Das konnte jeder gut verstehen.
Der Reiseleiter erklärte mir noch genau, wo ich die beste Sicht auf den Angel Fall hätte und zu welcher Uhrzeit er aus dem Nebelschleier kommt. Dann wäre auch das Licht am besten.
Das Mittagessen der Indios
Der Rest der Gruppe begann ihre Wanderung zur Aufschlagstelle des Wasserfalls, die etwa eine Stunde dauern würde. Dort hatten sie dann etwas Zeit und dann wollten sie zurück kommen. Aber auch von hier aus war der Anblick des imposanten Wasserfalls und die Atmosphäre der sich hinunterstürzenden Wassermassen gigantisch und hinterließen einen bleibenden Eindruck bei uns.
Ich verbrachte die Zeit mit Fotografieren, während sich Susanne in der Hängematte ausruhte. Die Indios hatten inzwischen begonnen, das Essen zuzubereiten. Dazu steckten sie Hähnchen auf Spieße und bereiteten mitgebrachtes Gemüse vor.
Bald kam auch die Gruppe von der Wanderung wieder. Sie bestätigten, dass der Weg nichts für Susanne gewesen sei. Wir hatten übrigens die besten Fotos vom Angel Fall, der sich inzwischen wieder verschleiert hatte. Doch das Grollen der Wassermassen war bis hier hin zu hören.
Dann gab es Mittagessen, denn die Hühnchen waren inzwischen goldbraun und knusprig. Auch das Gemüse hatte inzwischen den richtigen Biss und Geschmack. Dabei hatten die Indios kaum ein Gewürz außer ein paar Kräuter verwendet.
Die Rückkehr vom Angel Fall
Nach dem alle satt waren, wurde das Feuer gelöscht und die Hängematte abgebaut. Dann ging es zurück zum Boot und damit wieder ins Ahonda-Camp. Inzwischen hatten sich alle daran gewöhnt, im Einbaum nicht zu schaukeln oder unnötige Bewegungen zu machen.
Am Abend gab es natürlich wieder Abendessen im Schein der Petroleum-Lampen. Dieses mal beließen wir es aber bei einer Flasche Rum danach und diese Nacht verbrachte ich auch komplett in meinem oberen Feldbett.
9.Tag (Mi) Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und brachten sie zu den Booten. Wieder wurden alle in Plastiksäcke verpackt. Dann ging es zurück nach Canaima. Dieses mal war kein Gepäckstück vergessen worden und es erwartete uns ein kleines Essen. Anschliessend hatten wir noch Zeit, Canaima zu erkunden. Da es geregnet hatte, war die Hauptstraße ein einziger, 19 cm tiefer roter Schlamm. Trotzdem wanderten wir zum einzigen Laden von Canaima, wo es Souvenirs gab. Eine Flau hatte nur weiße Klamotten dabei und wollte unbedingt eine Maske kaufen. Wir freuten uns schon, sie in dem Schlamm zu sehen. Aber leider überredete sie einen Einheimischen mit einem Jeep, sie zu fahren. Schade.
Flug von Canaima nach Polamar auf der Isla Magerita.
Am frühen Abend ging dann der Flug von Canaima nach Polamar auf der Isla Magerita. Dabei wurde wieder eine Cessna Caravan 208 eingesetzt. Es starteten zwei Maschinen hintereinander und unsere beiden Piloten machten sich einen Spaß daraus, mit der anderen Maschine ein Wettrennen zu veranstalten. Die beiden waren Übermütig und warfen sich zwischendurch auch mal Flugpläne und so gegenseitig an den Kopf. Wir hatten übrigens auch die Litauer an Bord, wobei einer noch immer nur seine "Borbecker Feinripp mit Eingriff" und ein T-Shirt trug.
Natürlich machten sie noch ein mal eine Extrarunde um den Angel Fall im Tiefflug, bevor es nach Polamar ging.
Ich erinnere mich noch, dass wir über endlose Palmölplantagen flogen und schlief ein. Beim Aufwachen waren wir eine Stunde später immer noch über Palmölplantagen. Wir überflogen dann den Orinoco und landeten am Abend in Polamar.
Unsere Maschine hatte übrigens das kleine Rennen gewonnen und durfte daher auch zuerst landen. Die anderen mussten eine Warteschleife fliegen.